innerhalb des GEREDE "Dresdner Lesben, Schwule, Transen und alle anderen" e.V.
Transen gehen auf die Straße
Ein Mann ist ein Mann, eine Frau ist eine Frau. Ist doch klar, oder? Aber was ist wenn ein Mann eine Frau, eine Frau ein Mann oder nichts von alledem ist oder sein will? Unsicherheit? Zweifel? Aggression? Interesse am Exotischen? Menschen reagieren verschieden, vielleicht aus Angst, Unwissenheit, Mitleid oder Neugier.
Verschiedene Szenen geben Rückenhalt. Hier können Wünsche und Phantasien zum Teil realisiert werden. Besonders sensibel sind Familie und Beruf. Biographien bekommen Brüche oder Auswege werden im „Doppelleben“ gesucht. Das Treffen mit Gleichgesinnten wird bei der Partnerin als Dienstreise deklariert und wenn Kollegen von ihren Wochenendausflügen schwärmen wird vorsichtshalber geschwiegen. Ich gebe zu, dass ich hier alles sehr plakativ, vielleicht auch überspitzt beschreibe, vielleicht aber auch nicht. Transgender und Transsexuelle müssen, mit kritischem Blick betrachtet, in der Regel weitreichende Kompromisse in ihrer Lebensführung eingehen.
Können wir uns wirklich frei entfalten?
Das Ziel des 2. Trans-Street-Day war es gemeinsam in die Öffentlichkeit zu gehen, um für Anerkennung, Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit in der eigenen Lebensgestaltung zu kämpfen. Wir schlossen uns dabei wieder mit dem CSD Dresden zusammen und gingen gemeinsam mit Schwulen und Lesben auf die Straße. Es war eine bunte Parade, die quer durch die Stadt zog. Durch Masken (halb Mann, halb Frau) und Transparente symbolisierten wir unser Anliegen und waren als Block innerhalb des langen Zuges erkennbar. Darüber hinaus gaben die Masken auch Transgendern und Transsexuellen Schutz, die eben nicht von Kollegen oder Nachbarn erkannt werden wollten und dadurch trotzdem dabei sein konnten. Und auch wenn die Füße qualmten, der Weg hat sich gelohnt.
Zum Straßenfest waren wir wie bereits im vergangenen Jahr mit einem Stand präsent und informierten, passend zum Motto des CSD „Gleiche Rechte für Lesben Schwule und Transgender in Europa“ über die Gesetzeslage für Trans* in verschiedenen Ländern Europas.
Aber auch der Spaß sollte neben dem politischen Anliegen des Trans-Street-Days nicht zu kurz kommen. Beim Ball am Freitag Abend gab es für Schwule, Lesben und Transen bei Walzer und Tango einen stilvollen Auftakt in das Wochenende. Und am Samstag nach dem Straßenfest hatten wir Gelegenheit bei der Offiziellen CSD-Party im Cat Club, in gemütlicher Atmosphäre die ersten Bilder von der Parade anzusehen oder auf einen der beiden Floors gemeinsam mit zahlreichen Schwulen und Lesben das Tanzbein zu schwingen.
Es zeigte sich damit einmal mehr, dass die Community in Dresden zusammenrückt. Auch wenn Schwule und Lesben nicht unbedingt Transen sind und Transen nicht unbedingt schwul oder lesbisch, können damit Potentiale gebündelt werden, um gemeinsam für Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen zu kämpfen.
Traditionellen Abschluss des erlebnisreichen CSD und Trans-Street-Day Wochenendes war der sonntägliche Brunch im „Sappho“.