innerhalb des GEREDE "Dresdner Lesben, Schwule, Transen und alle anderen" e.V.
Dr. med. Wellers „Hausbesuch“!
Na, die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen, denn wann kommt denn der Gynäkologe schon mal zu uns. Für mich war es außerdem das erste Mal das ich eine Visite vom Frauenarzt bekam und auch für Frauke, die mich mitgenommen hatte.
Sie hatte so kurz vor Toresschluss auf der trans-ID-Homepage die Anmeldungsaufforderung von tashina gelesen und sofort zugesagt. Für sie war es sehr wichtig, von einem Mediziner, und dann noch von dem Dr. med. Joachim Weller, Erfahrungen und Antworten auf spannende Fragen zu hören. Das mit der Fragerei ging dann auch erwartungsgemäß nicht gleich so spontan los, aber tashina moderierte das Schweigen weg und stellte die erste Frage an den Spezialisten, nachdem sie ihn begrüßt und vorgestellt hatte. Den ganzen Komplex werde ich jetzt hier nicht wiedergeben können, weil wir kein Protokoll geschrieben haben. Da hättet ihr eben selber hinkommen müssen.
Unsere Hauptperson, Dr. med. W. beantwortete in einer lockeren und fast schon väterlichen Art, unsere dann doch anrollenden Neugierbekundungen. Natürlich ging es um Transsexualität und nicht um Frauenleiden, wie Migräne oder Menstruation und er sprach in einer allgemeinverständlichen Spra-che, ohne es mit Fachausdrücken der universitären Art zu untermauern. Auch wollte er uns nicht be-weisen, dass er das Latinum hat. Also auch ich kam geistig mit.
Aus seiner Tasche zog er dann ein ganz neu erschienenes Buch, welches er uns sehr empfahl.
„Therapieleitfaden der Transsexualität“ ist der Titel, das von einem Autorenkollektiv geschrieben wur-de in dem sich einige bekannte Namen wiederfinden. Ist nicht sehr dick und trotzdem 44,-€ , aber der Inhalt macht es. Die ISBN-Nr. hat sich tashina aufgeschrieben, weil sie dachte, wir finden das nicht selbst auch im Internet. Na ja, war ja gut gemeint und sehr aufmerksam. Danke!
Wie viele Leutchen hatten sich eingefunden und wer war da?
Alle Namen werde ich aus Datenschutzgründen nicht nennen und gezählt hab ich sie auch nicht. Aber es waren bestimmt so um die 20! Die Bude war jedenfalls voll mit gut gemischtem Publikum, zBsp. MzF, FzM, BioM und BioF und vielleicht auch ein paar ganz normale Menschen!?
Erst dachte ich, dass noch ein zweiter Arzt da sei, weil er sich mit unserem Eingeladenem so intensiv und „medika-mental“ beschlagen duellierte, aber er studiert scheinbar autodidaktisch Pharmazie und hat uns an seinem Wissen teilhaben lassen. Ist halt sein Spezialgebiet!
Im Gedächtnis haften geblieben sind mir besonders die beiden sehr jungen Menschen, die mir mit ihren traurigen Blicken sehr an’s Herz gingen. Ich hoffe, auch weil sie noch jung sind, werden die Chancen ganz gut sein, das sie mit Hilfe ihrer Eltern und/oder Pädagogen, Ärzten etc. einen richtigen Weg gehen und glücklich werden können. Und wir sind ja auch noch da um zu helfen!
Es waren auch einige Sozialpädagogen/innen vom Gerede e.V. anwesend, denen ich gern, und ich denke im Namen aller Hilfesuchenden mit unserer Problematik, an dieser Stelle ein Dankeschön übermitteln möchte. Gleichfalls auch an diesen Verein, sowie der Gruppe „transID“ und deren Initiatoren und Helfern. (Ich bekomm kein Freigetränk für das Lob! Ich wollte die Gelegenheit einfach mal nutzen!)
Viele der anderen Leute machten einen relativ gefestigten und überwiegend frohgemuten Eindruck. Die Hälfte waren, meiner Meinung nach, Patienten/innen des „Doc’s“ und er ließ ab und zu mal kleine Bemerkungen zu diesen, seinen Schäfchen, und zBsp. deren gewählten Vornamen los. Die Anvisier-ten waren darüber nicht so richtig glücklich, zumal ich den Eindruck hatte es fühlten sich gleich mehre-re getroffen. Kann man sagen, muß man aber nicht!
Frauke, die eine transsexuelle / transidente, Frau ist, fragte Herrn Doktor, ob auch Teilschritte möglich sind und die Krankenkasse diese trotzdem unterstützt.
Seine Ausführungen zu dieser Frage begann er mit der Erwähnung der Möglichkeit, das man sich auch durchaus erst mal die Brust abnehmen lassen kann und dann weitersieht was noch nötig oder möglich ist. Frauke hätte eigentlich lieber das Gegenteil, aber wahrscheinlich hatte sie ihr Bustier so gut ausgepolstert, dass selbst Herr Weller irritiert war.
Ich hab nicht auf die Uhr geschaut, jedenfalls war das ein sehr kurzweiliger, aber trotzdem langer und informativer Abend. tashina überreicht Herrn Weller als Dank einen sehr schönen Blumenstrauß und sprach die Abschlussrede, nachdem sie schon zwei, dreimal vergeblich angesetzt hatte. Einer aus der Runde hatte immer noch ne Frage und wollte nicht zum Schluß kommen. War ja auch interessant und man hätte noch stundenlang schnattern können, aber besser ist es jetzt, mal allein in eine Praxis zu gehen und speziell seine eigenen Fragen und Weichen für die Zukunft zu stellen.
Ich überreich hiermit virtuell einen Blumenstrauß an tashina, da sie diese Runde organisiert hat und hoffe, sie hat wieder mal so eine gute Idee.
Anbei noch zur Beseitigung eines vorherrschenden Klischees, hat sich unser Gynäkologe nicht in Facharztmanier verabschiedet. Er sagte ganz normal „Auf Wiedersehen!“, was sonst ja nur den Augenärzten zugesprochen wird.
Hab gerade bemerkt, dass ich fast nichts kritisiert habe, vielleicht hätte ich ja meine Schwester Frauke mal fragen sollen, die meckert ja manchmal über Kleinigkeiten, aber sie machte auf mich auch einen zufriedenen Eindruck.
A Bientot (bis bald)
Eure
Thérèse Salier
(Kontakt)