Die Gruppe für Transgender, Transsexuelle, Transvestiten ... und Partner/innen

innerhalb des GEREDE "Dresdner Lesben, Schwule, Transen und alle anderen" e.V.

transID (Logo)

aus unserem Jahrbuch:

1. Juli 2005: transit nach tschechien

Keine Eintagsfliege

sollte diese Begegnung bleiben. So war die einhellige Meinung der Mitglieder von transID auf dem Heimweg von einem Treffen der besonderen Art mit Gleichgesinnten und –betroffenen in Chlumec (Tschechische Republik). Obwohl das Erlebte erst wenige Augenblicke zurück lag, waren wir unsisono der Auffassung, dass die zurückliegenden Stunden etwas ganz Besonderes waren und unbedingt einer regelmäßigen Fortsetzung bedürfen.

Doch es ist für die sicherlich Leser besser, wenn hier der Reihenfolge nach berichtet wird. Eines Tages erhielt Janin eine E-Mail mit einer Anfrage, ob seitens transID Interesse an einem Kontakt mit tschechischen Transsexuellen und Transgendern bestünde. Verbunden war diese Anfrage mit einer herzlichen Einladung, doch einfach mal beim nächsten Treffen vorbei zu schauen.

Endlich war es so weit. Janin sammelte die Interessierten am frühen Freitagabend in Dresden ein und lenkte dann ihr Auto in Richtung Grenze. Der Übertritt über dieselbe gestaltete sich trotz meiner anfänglichen Befürchtungen, wie eine intensive Kontrolle wohl ausgehen würde, problemlos. So gelangten wir kurz nach 19:00 Uhr zum Ort des Geschehens und waren anfangs doch etwas verunsichert, richtig zu sein. Außer den zwei Betreiberinnen des Sportcasinos und drei Kindern war niemand anwesend, als Janin und ich uns ein Herz fassten und erwartungsvoll das Casino betraten. Meine noch stockend in der Landessprache vorgetragene Frage, ob wir hier richtig seien, wurde mit einem herzlichen „Ano“ beantwortet.

Nach wenigen Augenblicken standen auf dem Tisch, an welchem wir Platz genommen hatten, die ersten Erfrischungen und wir atmeten gelöst auf und durch. Für die anwesenden Kinder stellten wir sicherlich nun erst einmal das Gesprächsthema Nummer 1 dar, immerhin tauchten da vier Deutsche auf, von denen augenscheinlich zu erwarten war, dass es sich nicht um irgendwelche „Stinos“ handelte.

Nun dauerte es nicht lange und nach und nach trafen weitere Teilnehmerinnen ein. Genauso unkompliziert und aufrichtig herzlich, wie ich es aus meinen früheren Besuchen bei tschechischen Freunden schon gewöhnt war, gestalteten sich die Begrüßungen und das immer wieder ausgesprochene „Ahoj“ setzte bei mir fast reflexartig die schon vergessen geglaubten tschechischen Vokabeln und Redewendungen frei. Immer wieder trafen neue Teilnehmerinnen ein und schnell entwickelten sich angeregte Gespräche. Ein fast schon babylonisches Sprachgewirr beherrschte mittlerweile den Raum. Dabei war es in Sekundenschnelle fast schon unerheblich, ob Englisch, Tschechisch und Deutsch oder die internationalste aller Sprachen - Hände und Füße – zur Anwendung gelangten.

Die weiteste Anreise hatte eine Freundin aus Belgien hinter sich gebracht. Wie wir erfuhren, sollten aber am nächsten Tage noch mehr Freundinnen und Freunde aus weiter entfernt gelegenen Orten eintreffen. Da empfanden wir es als besonders traurig, dass unsere Verpflichtungen für den Samstag und den Sonntag uns dazu nötigten, noch in dieser Nacht wieder nach Hause zu fahren. Doch vor der Heimfahrt lagen noch Stunden voller intensiver Gespräche und einer Menge Spaß vor uns. Bei unseren Unterhaltungen spielte naturgemäß die Situation der Transsexuellen und Transgender in der Tschechischen Republik eine bestimmende Rolle, aber auch persönliche Dinge und sogar ganz alltägliche Fragen wurden zur Sprache gebracht. So ist es nicht verwunderlich, dass wir bei unserem Aufbruch spät in der Nacht ein Gefühl des Bedauerns verspürten, dass diese so herzlichen und unkomplizierten Begegnungen erst einmal zu Ende gehen sollten. Jedoch bedeutete unser Abschied ein fest versprochenes Auf Wiedersehen und kein Lebewohl. Für das im August in Brno vorgesehene nächste Treffen wurden wir wieder ganz liebevoll und herzlich eingeladen und darum möchten wir auch an dieser Stelle das ehrlich gemeinte „Na shledanou!“ noch einmal wiederholen und zum Ausdruck bringen, dass wir uns schon heute auf ein Wiedersehen freuen.

Liebe tschechische Freunde, wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal für die herzliche und gastfreundliche Aufnahme bei Euch bedanken und versichern, dass die Stunden dieses ersten Treffens in uns Dankbarkeit und den innigen Wunsch nach einer Fortsetzung dieser freundschaftlichen Beziehungen erzeugten.

tashina

Treffen in Chlumec (Tschechien) Treffen in Chlumec (Tschechien) Treffen in Chlumec (Tschechien) Treffen in Chlumec (Tschechien)